17.1.2022: Tag des Judentums

Veranstaltungen auch 2022 weitgehend online - hier einige Hinweise:

Die Kirchen in Österreich feiern am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Das Christentum ist von seinem Selbstverständnis her wesentlich mit dem Judentum verbunden. Damit dies den Christen immer deutlicher bewusst wird, hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich(ÖRKÖ) ) diesen Tag ein. Christinnen und Christen sollen ihrer Wurzeln im Judentum und ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusstwerden. Zugleich lädt dieser Tag ein, an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte zu gedenken. 

Wie schon im vergangenen Jahr können viele Veranstaltungen auch 2022 nur online abgehalten werden. Eine Übersicht ist unter https://tagdesjudentums.christenundjuden.org/veranstaltungen.html
zu finden.

Besondere Hinweise:

ÖKUMENISCHER GOTTESDIENST am TAG DES JUDENTUMS
aus der Evangelischen Heilandskirche in Graz nur Online…

Graz 17.1.2021, 19:00 Uhr

Predigt: Dr. Michael Bünker

Ein „Aus-der-Synagoge-er“ zu sein („Aposynagogos“) – Tag des Judentums 2022 – online

 

Identität und Propaganda in einem seltsamen Wort im Johannesevangelium (9,22; 12,42)

Johannes 9,22:
22 Das sagten sie aus Angst vor den führenden Juden, weil diese angekündigt hatten, jeden aus der Synagoge auszuschließen, der Jesus als Christus bezeichnete.

Johannes 12,42:
Viele Menschen, darunter auch einige der führenden Männer, glaubten an Jesus, scheuten sich aber, es zuzugeben. Sie fürchteten, dass die Pharisäer sie deswegen aus der Synagoge ausschließen würden.

 

 

 

Wie fühlt es sich an, beschimpft zu werden? Als Außenseiter*in gekennzeichnet? Als „anders“ gebrandmarkt? Im Johannesevangelium haben Leute Angst, ausgeschlossen zu werden. Aber nicht der Ausschluss selbst, sondern die Bezeichnung eines solchen Ausschlusses ist dort ausschlaggebend; es geht nicht um physische, sondern um semantische Gewalt. Leute, die Jesus als den Messias bekennen, werden „Aus-der-Synagoge-er“ genannt. Ein furchtbares Wort, das auf Altgriechische genauso komisch klingt wie auf Deutsch und sonst nirgends in der antiken Literatur belegt ist. Aber ist das Wort tatsächlich verwendet worden? Wurden Menschen je so bezeichnet? Oder steht dahinter christliche Propaganda gegen die jüdische Synagoge? Es handelt sich hier dem Referenten zufolge viel eher um ein frühchristliches Trotzwort, das (fast!) verloren gegangen ist. Wenn man wie die frühen Christ*innen einen Verfolgungskomplex pflegt, ist es nämlich gut, beschimpft zu werden.

Link zur Online-Veranstaltung