…BIS HEUTE (1990-2017)

Mit dem Wechsel von Pfarrer Schlimp in den Schuldienst und Pfarrer Massers Abschied 1989 kam es zum ersten Mal in der Geschichte der Pfarrgemeinde zu einer Vakanz beider Pfarrstellen. Erst 1991 wurden die Pfarrer Josef Prinz und Lutz Lehmann gewählt. Der gemeinsame Anfang und die enge Zusammenarbeit mit den Haupt- und Ehrenamtlichen, die die Gemeinde über die „pfarrerlose Zeit“ getragen hatten, ließen einen Teamgeist entstehen, der bis heute in einem bunten Gemeindeleben seinen Ausdruck findet.

Heidi Prinz brachte durch ihre Tätigkeit beim Evangelischen Arbeitskreis für Weltmission eine Gastpfarrerin nach Klagenfurt: Rose Aminah aus Ghana zog 1993 ins Pfarrhaus ein, besuchte Gemeinden in ganz Österreich und zog viele Menschen mit afrikanischen Wurzeln in die Johanneskirche.

Neue und intensive Wege in der Konfirmanden- und Jugendarbeit haben das Erscheinungsbild der Pfarrgemeinde (mit)geprägt. In diesem Bereich wurde nicht zuletzt durch eine laufende Gewinnung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Kreis von Konfirmanden viel für eine lebendige Gemeinde bewirkt.

Pfarrer Lehmanns neuer Schwerpunkt im Schuldienst, Pfarrer Höllers plötzlicher Tod und der Abschied von Pfarrer Prinz in den Jahren um 1999 leiteten eine Zeit der Veränderung ein.

Nach den Pfarrern Christoph Grosse (1999-2003) und Klaus Niederwimmer (2000-2004) trat Pfarrerin Lydia Burchhardt im Jahr 2004 ihren Dienst an. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Evangelische Hochschulgemeinde (EHG), die Gemeinschaft der evangelischen Studierenden und Lehrenden an Universität und Hochschulen Klagenfurts. Auch die Gehörlosenseelsorge hat durch Pfarrerin Burchhardt einen festen Platz in der Johanneskirche gefunden. „Zweisprachige“ Gottesdienste bilden immer wieder Höhepunkte des Gemeindelebens. Sie gehören zu den vielen „besonderen“ Gottesdiensten in unserer Kirche, die großen Zuspruch finden.

Seit 2006 ergänzt Pfarrer Rainer Gottas das Team. In besonderer Weise ist er in der Arbeit mit Kindern engagiert, z.B. durch die monatliche Feier von Krabbelgottesdiensten, Organisation von Kinderfreizeiten, aber auch in der Erinnerungsarbeit: Kontakte zur Gedenkstätte in Dachau, Veranstaltungen zum Novemberpogrom, am Loibl-Pass und die Arbeit im Vorstand von Memorial Kärnten Koroška sowie die Initiative bei der Feier zum „Tag des Judentums“ setzen Akzente für das Leben in der Stadt und in der Ökumene.

Die Feier der Gustav-Adolf-Festes 2008 mit dem Motto: „Wir sind so frei!“, gemeinsam mit der Christuskirche und der Diakonie Harbach sorgte mit der Festversammlung im Wappensaal des Landhauses, Jugendtheater in der Innenstadt und Cabaret in der „Burg“ für allgemeine Aufmerksamkeit. Ein Festgottesdienst wurde erstmals ökumenisch gefeiert - im Klagenfurter Dom, der in der Reformationszeit als evangelische Kirche erbaut wurde. Dompfarrer Ibounig unterstrich die ökumenische Offenheit mit den Worten: „Ich begrüße Sie nicht als Gäste. In dieser Kirche sind wir alle zuhause.“

In der Johanneskirche wurde am 28. November 2010 das Partnerschaftsabkommen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Hermannstadt abgeschlossen. Die Freundschaft zwischen den beiden evangelischen Gemeinden war seit 2006 durch vielfältige Aktivitäten und Begegnungen gewachsen.

Als Sonderprojekte für das Jubiläumsjahr 2014 beschlossen die Gremien der Pfarrgemeinde die Reparatur und den Ausbau der Orgel sowie die Sanierung der Kirchenbänke. Fest und Gottesdienst am 17./18. Mai 2014 anlässlich „150 Jahre Johanneskirche“ gaben Gelegenheit zur dankbaren, fröhlichen Rückschau und zur Bitte um Gottes Segen für die Schritte in die Zukunft.

Seit dem Jahr 2015 setzt die Gemeindepädagogin Annette Biderbost neue Akzente in der Arbeit mit Kindern.

Anfang 2016 ist die weite Welt in Gestalt einer Gruppe von jungen iranischen Flüchtlingen in unsere Gemeinde gekommen und hat hier einen Platz gefunden. Mit dem Christentum im Iran in Kontakt gekommen, in der Regel aber noch nicht getauft, haben sie sich in einem einjährigen Kurs auf die Taufe vorbereite und bereichern die Gemeinschaft mit ihrer Präsenz und ihren Fragen.

Im Jahr 2017 bedenken, erinnern und feiern die Evangelischen Kirchen in Österreich unter dem Motto „500 Jahre Reformation - Freiheit und Verantwortung seit 1517“.

Dabei liegt der Fokus weniger auf historischen Ereignissen und Personen, als auf der im ökumenischen Kontext gestellten Frage nach dem Auftrag der Kirchen heute und ihrem Beitrag für das Zusammenleben in Österreich

Die beiden Klagenfurter Gemeinden Johanneskirche und Christuskirche zählen heute etwa 6550 Mitglieder. Zu beiden Gemeinden gehören neben städtischen Bereichen auch ländliche Gebiete, vor allem im Osten und Süden von Klagenfurt.

Die Pfarrgemeinde Johanneskirche umfasst heute das Stadtgebiet westlich der Bahnhofstraße, reicht im Süden bis zum Loiblpass mit der Predigtstelle Ferlach, und im Westen bis Maria Wörth.

Zu ihr gehören heute ca. 4300 Mitglieder.

 

Alexander Hanisch-Wolfram und Lutz Lehmann (Erstveröffentlichung in: 1864 - 2014. Festschrift anlässlich 150 Jahre Johanneskirche Klagenfurt, Klagenfurt 2014); bearbeitet und ergänzt von Rainer Gottas, 2017